Der Alice-und-Bob-Blog

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Großeltern und Smartphones - eine fragwürdige Allianz

28. Januar 2021

Auch ältere Generationen sind inzwischen mit Mobilen Internet-Endgeräten - Smartphones, Tablets und sicher auch dem einen oder anderen Fitness-Tracker - beim Bäcker, im Kurpark und selbst in der Seniorenwohneinrichtung unterwegs. Manche wurden von ihrern Kindern und Enkeln an diese relativ neue Technik herangeführt. Gerade wenn man weit voneinander entfernt lebt, sind die verschiedenen Kommunikationsmöglichkeiten, die Smartphones und Co. bieten, eine schöne Möglichkeit, sich einander näher zu fühlen.

Aber wenn die alten Herrschaften sich nicht näher mit Internet-Technologie beschäftigen, sind sie durch die Taschencomputer legalen und illegalen Verletzungen ihrer Privatsphäre ausgeliefert.

Nun könnte das im Volksmund oft etwas voreilig bemühte Argument "Ich habe doch nichts zu verbergen" vielleicht für die 80jährige Dame tatsächlich gelten. Vermutlich sind Polizei und Nachrichtendienste an dieser Zielgruppe kaum interessiert, da hier tendenziell weniger kriminelle oder verfassungsfeindliche Umtriebe zu befürchten sind als bei 20jährigen an den Rändern des politischen Spektrums. Und vielleicht sind Alte mit viel Lebenserfahrung auch weniger anfällig gegenüber den Manipulationsversuchen der Werbeindustrie.

Andererseits sind Seniorinnen und Senioren auch Zielscheibe spezialisierter Betrüger mit z.B. dem berühmten "Enkel-Trick". Warum sollten solche Betrüger nicht auch versuchen, via Internet mehr über ihre potentiellen Opfer herauszufinden und beispielsweise an Bewegungsprofile des Smartphones oder den Browserverlauf zu gelangen?

Kinder und Enkel sollten sich deshalb zweimal überlegen, ob sie ihre alten Verwandten wirklich vom Smartphone überzeugen wollen. Mit einfachem Telefon, gedruckter Tageszeitung und Radio durchs Leben zu kommen, ist schließlich auch eine aus Sicht von jüngeren geradezu beeindruckende Fähigkeit, die in heutigen Zeiten Respekt verdient. Stempeln wir Alte nicht als senile Tattergreise ab, nur weil sie eine aus ihrer Sicht noch recht junge Technik überflüssig finden!

Und wer doch die Altvorderen von Apple und/oder Android überzeugen möchte, nehme dies doch zur Gelegenheit, um das eigene Anwenderwissen einmal kritisch zu überprüfen. Nutze ich die Privatsphäreeinstellungen meines Geräts? Kenne ich meine Spuren im Internet? Informiere ich mich über die neuesten Maschen von Betrügern und Schadsoftware-Verbreitern? Weiß ich, welche Befugnisse staatliche Nachrichtendienste haben? Nur wenn ich in diesen Fragen einigermaßen orientiert bin, kann ich Oma oder Opa auch eine anständige Einführung in die Thematik bieten.

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