Der Alice-und-Bob-Blog

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Gesetz oder Anstand?

05. März 2021

Das Unternehmen Scoperty bietet auf seiner Website eine Deutschlandkarte mit frei zugänglichen Schätzwerten zu nach eigener Aussage gut 35 Millionen Immobilien im Land. Vom Großstadt-Mehrparteienhaus bis zum Einfamilienhaus auf dem Land ist alles dabei. Nutzerinnen können anscheinend - ich habe es nicht im Detail untersucht - Immobilieneigentümer über das Portal initiativ kontaktieren und ein Kaufangebot machen. Eigentümerinnen und Mietern, die mit der offenen Bewertung ihrer Häuser nicht einverstanden sind, wird zugesagt, auf ihren Widerspruch hin die Daten binnen drei Stunden auszublenden und später auch aus dem "internen System" zu löschen.

Wie golem.de schon schreibt, hinterlässt das Ganze einen "faden Beigeschmack". Man könnte die Frage stellen, ob so etwas legal ist - den Wert von Häusern, privaten Wohnhäusern(!), durch Datensammlung zu schätzen und das Ergebnis zu veröffentlichen, ohne die Eigentümer und/oder Mieter zu fragen?

Ich stelle aber stattdessen die Frage: Tut man das? Ist das anständig? Oder ist das pfui? Meiner Ansicht nach ist es genau so pfui, als starre man einen anderen Fahrgast in der Straßenbahn unverhohlen minutenlang an. Oder als beobachte man eine Mitschülerin im Supermarkt und posaune am nächsten Tag in der Schulklasse ungefragt aus, dass sie einen Schwangerschaftstest gekauft hat.

Geschäftsmodelle wie die von Scoperty und anderen, die ungefragt Daten sammeln und Menschen bewerten (Ja, Schufa, natürlich meine ich dich.), mögen legal sein - und vermutlich ist das in einem freien Land auch gut so. Sie sind aber auch respektlos und unanständig. Als Verbraucher und Unternehmer sollten wir solchen Anbietern die kalte Schultern zu zeigen.

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