Der Alice-und-Bob-Blog

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Ein neuer Typ Polizist

31. März 2021

Gleich zu Beginn dieses Beitrages bitte ich für eine Ungenauigkeit um Entschuldigung: Ich erwähne in der Überschrift "Polizisten", werde aber auch Mitarbeitende von Nachrichtendiensten in meine folgenden Überlegungen einbeziehen.

2012 war ich Besucher und Aussteller auf dem Deutschen Präventionstag in München. Dort traf ich auch zwei IT-Sicherheitsspezialisten irgendeiner deutschen Landespolizei. Die Herren erzählten, wie es sei, als Informatiker bei der Polizei anzufangen. Einen gewissen "Grünanstrich" (damals trugen alle deutschen Polizistinnen noch grüne Uniformen) habe man durch eine Art verkürzte Grundausbildung noch erwerben müssen - IT-Spezialist hin oder her. Beide Herren auf der Münchner Messe präsentierten sich sehr korrekt in Anzug mit Krawatte - so wie man es klassischwerweise von Beamten erwarten würde.

Heute, fast zehn Jahre später, würden die zwei Cyberbullen - NICHT Cyberbullies - vielleicht anders aussehen. Ich war zu lange auf keiner Messe mehr, um es aus erster Hand zu wissen, habe aber zwei Medienberichte gefunden, die das Bild eines neuen Typs von Staatsdienern, die früher wegen ungebührlichen Auftretens hochkant aus jeder Amtsstube geflogen wären, zeichnen:

Die aufwendige SWR Doku "Früh.Warn.System - Brauchen wir diesen Verfassungsschutz" stellt eine in Düsseldorf ansässige Spezialeinheit des Verfassungsschutzes dar, die sich mit neuesten Entwicklungen in der Techniker- und Gamerszene beschäftigt - Ballerspiele in der Dienstzeit inklusive.

Der zweite Bericht stammt von dem Magazin "Politico". Belgische Polizisten hätten die Verschlüsselung eines Anbieters abhörsicherer Smartphones geknackt. Obwohl die Firma dies vehement in Zweifel gestellt habe, hätte die belgische Polizei selbstbewusst ihre Bankverbindung übermittelt, um die ausgelobte Bug Bounty einzustreichen.

Polizisten und Nachrichtendienstler, die als Teil ihrer Arbeit auf Bug-Suche in Software gehen und Ego-Shooter spielen? Wer das im Jahr 2000 dem typischen deutschen grün uniformierten Schutzmann erzählt hätte, hätte vermutlich sehr befremdete Blicke geerntet. Der Beweis, dass Behörden mit der Zeit gehen und innovativ sein können, ist also erbracht.

Es bleibt zu hoffen, dass die staatlichen Geeks nicht nur mit moderner Technik und modernem Wissen ausgestattet sind, sondern auch mit ethischem Kompass und einem angemessenen Selbstverständnis als Diener eines demokratischen Rechtsstaates.

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